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Sonntag, 3. Mai 2026

Im extremen Gras

Am 1. und 2. Mai 2026 war ich mit Sonne wieder einmal Pause-Touren sammeln. Die neuen Auflagen des Kultführerwerks bringen den Sammler nun auch ins landschaftlich schöne Allgäu. 

Am ersten Tag gings in die Schneck Ostwand. Mit dem Rad von Hinterstein (Bad Hindelang) durchs Bärgündeletal zur Pointhütte und schließlich zu Fuß über die noch großflächigen Altschneefelder erreichten wir den Fuß des formschönen Gipfels. Die klassische Ostwandroute (VI+) von Philipp Risch und Karl Seybold aus dem Jahr 1922 ist für die Zeit der Erstbegehung beachtlich steil und startet gleich vom Boden weg in anspruchsvoller Wandkletterei. Kaum zu glauben, wie Philipp Risch hier angeblich mit nur 3 geschlagen Zwischenhaken hochstieg. Nicht zuletzt durch die Sanierung mit Bohrhaken ist der Nimbus heute etwas verblasst.  Die Linie endet nach fünfeinhalb  Seillängen im Grasgelände links der Gipfelfalllinie. Also wieder zurück an den Start und gleich daneben in die moderne Route „Schneckgespenst“ (VII-) eingestiegen. Diese erfordert anhaltend sportliche Kletterei in der schrägen Felsschichtung, vielfach an Seitgriffen und toppt nach 6 teils langen Seillängen direkt am Gipfel (2269 m) aus.

Tags drauf näherten wir uns dem Bergmassiv von der anderen Seite, von Oberstdorf durch das Oytal. Unser Ziel war der, wegen des über weite Strecken vorherrschenden Steilgrases verrufene, „Rädlergrat“ auf das Himmelhorn (2111 m). Gleich vom Gaisbachtobel geht’s recht steil durch eine Grasflanke hinauf, wobei sich ein kleiner Eispickel als hilfreich erwies. Einige Seillängen bis IV+, grasdurchsetzt und etwas brüchig, führen über den sogenannten Gockelesgrat bis zum letzten senkrechten Steilaufschwung. Wo der verwegene Erstbegeher Hermann Rädler 1910 im Alleingang nach links in extrem steiles und gefährliches Grasgelände auswich, findet sich in der heutzutage üblichen Variante die klettertechnisch einzige lohnende Seillänge (VI) der Tour.









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