born in tirol

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Montag, 29. März 2021

Schwert des Damokles

In der letzten Jännerwoche war ich noch unschlüssig, ob ich übers Wochenende in die Heimat nach Tirol fahren sollte, da die Prognosen kein allzu gutes Wetter versprachen und auch mit erheblicher Lawinengefahr zu rechnen war. Mit einem super Tourenvorschlag konnte mich Matthi jedoch sofort überzeugen: In der Route „Schwert des Damokles“ bei den Brennerseefällen war der in der dritten Seillänge lauernde, namensgebende Eiszapfen zu einer Säule zusammengewachsen und somit kletterbar. So fuhren wir am Samstag den 30.01.2021 auf den Brennerpass und stapften im tiefen Schnee durch die Rinne im bewaldeten Osthang zu den Brennerseefällen empor, bis uns schließlich eine ältere Spur das Vorankommen erleichterte. Rasch ging es auch die erste Seillänge im IV. Grad empor an deren Ende sich ein guter Standplatz hinter einem Eisvorhang anbot. Über diesen hinauf und in flacheres Gelände leitete uns die 2. Seillänge bis unter die mächtige 40 m hohe Säule der Schlüsselseillänge. Matthi konnte dieses Formideal des VI. Eisgrades bereits 2009 im Vorstieg klettern und so wurde mir diesmal diese Ehre zuteil. Zwar hatte auch ich der Route schon 2019 einen Besuch abgestattet, bei dem das „Schwert“ jedoch nicht heruntergewachsen war und wir nur über eine kombinierte Variante unmittelbar rechts hinter diesem den Ausstieg erreichen konnten. Von einem Standplatz an einem Baum links unter der Säule stieg ich den noch etwas flacheren und gut strukturierten Sockel empor und über einen kleinen Eisüberhang erreichte ich ein Podest, auf dem wir zwei Jahre zuvor Stand bezogen hatte. Auch diesmal brachte ich dort Cams unter, verlängerte diese jedoch und stieg auf der Säule weiter. Noch ein kleines Schneepodest zwischen Fels und Eis zum Rasten, dann entfernt sich die vergängliche Skulptur von ihrem felsigen Untergrund. Trotz der geringen Temperaturschwankungen in den vorgegangenen Wochen fiel mir gleich ein noch nicht ganz verheilter Querriss ins Auge, doch der Klang der Pickel vermittelte mir ein sicheres Gefühl. Auch erleichterte mir der ein oder andere Hook von einer Begehung am Vortag das Vorankommen. Die freistehende Säule in flacheres Gelände verlassend galt es noch einen letzten Steilaufschwung zu überwinden, bis ich die lange Schlüsselseillänge beim Abseilstand an einer stark gewachsenen Fichte beenden konnte. In diesem Bereich wurde angeblich einst ein Seil verankert, welches herabhängend den stabilen Aufbau des Eisschwertes begünstigen sollte. Nach einmaligem Abseilen über diese Arena der dritten Seillänge stiegen wir noch in die rechts benachbarte Mixed-Route „King Nothing“ ein. Diese hatte jedoch schon einen merklichen Sonnenstich bekommen und so erwies sich der auf eine Verschneidung folgende Überstieg ins Eis recht anspruchsvoll. Nachdem vorerst ein paar kleine Felsleisten und der ein oder andere Eiszapfen unter unseren Pickelhauen der Schwerkraft folgten, war aber auch diese Hürde überwunden und ein paar gute Eismeter führten uns zum steilen Finale. Dort musste neben der weit auskragenden Abbruchfläche eines Riesenzapfens noch ein Durchschlupf in einen Eisvorhang geschlagen werden, bis der Ausstieg in flacheres Gelände möglich war. Von dort seilten wir mit zufriedenem Blick auf diese beiden tollen Linien ab.




Sonntag, 21. Februar 2021

SUPERVISOR & MONSTERLINE

Am Abend des 7. Januars bekam ich einen Anruf von Sevi. Er hatte, während er im Eisfall MORDOR im Stau stand, die Gelegenheit die Verhältnisse in der benachbarten Route SUPERVISOR auszuspähen. „Schon noch recht dünn und bis auf eine Abalakov-Schlinge auf halber Wandhöhe noch keine ersichtlichen Begehungsspuren aber machbar“, meinte er dazu. So fuhren wir in den frühen Morgenstunden durchs Gasteinertal, von dem hinter der Bahnverladestelle Böckstein das Anlauftal abzweigt. Als wir um 07:00 Uhr am Parkplatz ankamen, herrschte schon reges Treiben. Die Lichtkegel zweier Stirnlampen waren schon hoch über uns im Wald zu sehen und drei Zweierseilschaften machten sich gerade abmarschbereit. Eine von ihnen begann gar zu laufen, als sie das einrollende Fahrzeug mit weiteren Aspiranten sah. Wir wollten uns von diesem Andrang zwar nicht stressen lassen, jedoch schwand unsere Hoffnung als erste in den SUPERVISOR einzusteigen deutlich. Gut eine Stunde später waren wir am Einstieg der gewaltigen Eisarena angekommen. Ohne von unseren Plänen zu wissen, teilte uns ein einheimischer Bergführer mit, dass ihre beiden Seilschaften in den RODEO einsteigen und die anderen, ja die gehen sowieso MORDOR – Dann bleibt für euch nur noch der SUPERVISOR! Ich konnte mein „Anfängerglück“ im Anlauftal gar nicht recht glauben und machte mich gleich an die Arbeit. Eine erste lange Seillänge ging es noch über MORDOR hoch, da der Direkteinstieg noch zu wenig Eisauflage hatte. Möglichst schnell versuchte ich mich das ausgepickelte Eis hinaufzuhooken und gleich möglichst weit rechts einen Stand zu beziehen, um dem Eisschlag der beiden vorauskletternden Seilschaften zu entgehen. In der zweiten Seillänge leitete uns ein Band nach rechts bis wir die anfänglich dünnen Glasuren des SUPERVISOR erreichten. Von dort an geht es dann richtig zur Sache. Hartes Eis ließ mich am Anfang der dritten Seillänge mehr als einmal glauben, dass ich auf den Fels durchgeschlagen hätte, bis ich nach 15 steilen Metern Blumenkohleis erreichte, welches sich wohl auch aufgrund des Tropfwassers aus dem sonnenbestrichenen obersten Wandteil etwas softer klettern lies. Aus einer wasserüberronnenen Nische leicht überhängend linkshaltend empor, erreichte ich nach etwa 40 m einen gut gelegenen Standplatz. In den dort folgenden steilen Röhreneispassagen hieß es nochmal ordentlich zupacken bis sich das Gelände allmählich etwas zurücklehnt und ich nach einer weiteren 60 m-Seillänge mit einer Rechtsquerung den Bohrhakenstand am Ende der Tour erreichte. Von hier führte uns die gebohrte Abseilpiste rechts des Eisfalls in luftiger Abseilfahrt zurück zum Einstieg. Seillängen und Meter zählend stellten wir fest, dass der Fall wohl nur um die 200 m hoch sein dürfte und nicht 270, wie in mancher Literatur behauptet, was der Klasse dieser Line jedoch keinen Abbruch tun sollte.

Tags darauf war es wieder Sevi, der mit aktuellen Eis-Informationen aufwarten konnte. Dank seiner regelmäßigen Telefonate mit Dani konnte er in Erfahrung bringen, dass die MONSTERLINE im Pitztal zwar vom Tal aus nicht begehbar aussieht, da die Zapfen der Headwall nicht heruntergewachsen waren, sich jedoch trotzdem gut klettern lässt. Das ließ uns hoffen, vielleicht auch hier als einzige Seilschaft einen Versuch wagen zu können. So gings am Sonntag den 10. Jänner zum Weiler Weixmannstall, wo unser Thermometer auf -18°C gefallen war. Zu Fuß folgten wir den Skispuren unserer Vorgänger und konnten in der Morgensonne die erste Seillänge im wassertriefenden Röhreneis klettern. Danach wird das Eis wieder flacher und schließlich führte uns eine von Lawinen präparierte Rinne zu den Hauptschwierigkeiten. Zwei Seillängen stiegen wir rechts der Falllinie der großen Zapfen empor, bis uns sehr röhriges, gläsern anmutendes Eis zu einem herrlichen Standplatz auf einer Felskanzel führte. Von dort leitet eine luftige Linksquerung über die Wurzel der großen Zapfen. In den folgenden steilen Meter bekamen wir trotz der konstant tiefen Temperaturen wieder eine ordentliche Dusche, welche unsere Ausrüstung rasch mit einer Eisglasur überzog. Schließlich vermittelte uns der Durchschlupf hinter einer mächtigen Eissäule den Ausstieg in das flachere Eisschild der letzten Seillänge. Aufgrund der nasskalten Verhältnisse ließen wir beim Abseilen in den ersten beiden Abalakovs Schlingen zurück, ehe wir uns getrauten auf die ökologischere Variante zu wechseln und das Seil direkt durchzufädeln.






Montag, 11. Januar 2021

Happy Birthday

 Die "Alpine Bande" hat soeben ihr erstes Lebensjahrzehnt hinter sich gebracht. Für einen noch so jungen Zögling hat sie doch schon einiges erlebt, ist dabei aber immer mit leicht heilenden Schrammen davongekommen.

Sie tritt nun in die Pubertät ein und es liegt an uns, sie durch diese zumeist etwas schwierige Lebensphase zu leiten.

Zum Geburtstag wollen wir ihr ein paar Powder-Höhenmeter schenken. Derzeit zwischen Brennerspitze, Habicht, Wetterspitze ....ohnehin kein großes Opfer.










 




Donnerstag, 3. Dezember 2020

hike and fly

 

Letzte Woche konnte ich mir den neuen Bergsteigerschirm Doubleskin der Firma Nova ausleihen. Der Schirm ist mit einem Gewicht von 2,1kg (Größe 17) der leichteste Schirm auf dem Markt. Ich war schon sehr gespannt wie sich der Schirm im Flug, verglichen mit meinem Ion4 verhält.

Freitag, 16. Oktober 2020

Kletterspaß mit viel Urlaubsfeeling

 Aufgrund von Corona waren Susanne und ich gezwungen unseren 3-wöchigen Urlaub zu stornieren, und uns eine Alternative zu suchen.

Mittwoch, 23. September 2020

Klettertage auf der Steinseehütte

 Im alten AV-Führer „Lechtaler Alpen“ wird das Gebiet als „eines der schönsten
Klettergebiete der Nördl. Kalkalpen“ bezeichnet.

Dienstag, 22. September 2020

Sonnjoch O-Wand "Viva la Vida" 8+

Die Sonnjoch Ostwand bieten zahlreiche schöne Klettereien, die Längste und Schwierigste davon ist die Route „Viva la Vida“ (8+), die von Roli und Andi Nothdrufter im Herbst 2018 erstbegangen wurde. Vergangenes Wochenende wollte Christian, Arthur und ich die trockenen Verhältnisse ausnutzen, um die Tour zu klettern. In abwechslungsreicher Kletterei und langen Seillängen zieht die Route empor zur Headwall. Die drei 8er Längen bieten steile und athletische Kletterei und pumpen einen anständig auf ;-) Arthur hatte genug Schmalz in den Oberarmen und konnte die Tour rotpunkt klettern. Die schweren Seillängen sind gut eingebohrt, in den leichteren Längen muss man anständig von den Haken wegklettern. Nachdem man sich im Wandbuch eingetragen hat, kann man dann über die Route bequem abseilen. Tolle, lohnende Kletterei!

Fotos

Dienstag, 15. September 2020

Vom Zillertal bis ins Karwendel

In der letzten Ferienwoche konnte ich das schöne Wetter noch gut ausnutzen und ein paar tolle Klettereien machen. So war ich letzten Dienstag mit Dani in den Zillertalern unterwegs, genauer gesagt am Gigalitz. Zuerst sind wir mit den Bikes zur Materialseilbahn gefahren und von dort hinauf auf die Lappenscharte, wo sich auch der Einstieg zur SO-Kante befindet. Unsere Devise war wieder "light and fast", was sich auch ausgezahlt hat, denn nach knapp 2 Stunden Kletterei waren wir bereits am Gipfel des Gigalitz. Belohnt wurden wir mit einer traumhaften Kulisse und angenehmen Temperaturen und mit 1800 HM ist es anständige Tagestour. 
Tags darauf ging es dann mit Maggo, Andi und Stef nach Biberwier zum Wampeten Schrofen, dort sind Maggo und ich die Route "B 24 Liberator" (7) geklettert. Leider war diese Kletterei nichts besonderes, alle anderen Touren dort, sollten scheinbar super sein?! Am nächsten Tag schloss sich uns noch Roli an und wir sind zur Lamsenjoch Hütte aufgestiegen. Am Programm stand die "Fusion" (7+). Tolle, bestens abgesicherte Kletterei in super Fels. 
Am Freitag sind dann Tom, Mathi, Maggo und ich zur Halleranger Alm gefahren, unser Ziel dort war der Kleine Lafatscher. Matthi und Maggo sind die 6x7 geklettert, Tom und ich haben uns für die NO-Kante entschieden. Die Route wurde von den Erstbegehern mit VI A2 bewertet, weshalb wir schon sehr gespannt waren, was uns da erwarten wird. Zu unserer Verwunderung haben wir dann aber keine Technolängen vorgefunden und wir konnten alles frei klettern. Die einst technischen Längen waren nie schwerer als VI, jedoch war ab und zu der Fels recht rustikal, da es wahrscheinlich nur wenige Begehungen gibt. Auf der Alm konnten wir den tollen Tag dann noch gemütlich ausklingen lassen. 

Montag, 7. September 2020

Halleranger

Heuer ist es sich leider noch nie ausgegangen dem Halleranger einen Besuch abzustatten und da ich mit Dani auch noch nie dort war zum Klettern, bot es sich letzte Woche an, dort zwei Tage zu verbringen.

Am Donnerstag war es in der Früh noch recht frisch, deshalb sind wir erst zu Mittag los gestartet, um am NW-Eck der Speckkarspitze noch eine Tour zu klettern. Die meisten Routen dort kenne ich bereits, der "nördlichen Durchstieg" von Sint & Meßner war jedoch noch ausständig. Die Route startet rechts des "Burattipfeilers" über leichtes Gelände, ehe gleich die Schlüssellänge (V+/VI-) folgt. Diese zieht am Ende über eine glatte Platte nach links zum Stand, wo auch die neue Tour "Falco" heraufkommt.  Über griffigen Fels führt unsere Führe gerade empor, ehe auch beim nächsten Stand die beiden Routen wieder zusammen kommen. Die Tour wird sehr selten geklettert und es steckt nur wenig fixes Material (außer an den Ständen), also eine super alpine Alternative zu den sanierten Routen an der Westwand. Im Anschluss sind wir hinüber gewandert auf die Halleranger Alm, wo wir übernachtet haben.

Auch am Freitag in der Früh war es noch recht frisch, deshalb sind wir nicht all zu früh zum Einstieg hinauf gewandert. Für uns stand heute in der Speckkar Nordwand (Überschallwand) die "Tacitusführe" V+ auf dem Programm. Die Route wurde von der Seilschaft Klier & Kienpointner erstbegangen und zieht links von unserem "Mittelpfeiler" empor. Normalerweise hat H. Klier recht anspruchsvolle Erstbegehungen gemacht, hier sind die Schwierigkeiten jedoch etwas moderater. In schöner Kletterei, in meist festem Fels schlängelt sich die Route geschickt nach oben. Mit der Beschreibung im Karwendelführer ist sie auch gut zu finden, ein Topo ist bei den Fotos angefügt. In der Route befinden sich lediglich 2 Haken, mit einem Satz Cams und Keilen kann man die Tour jedoch gut absichern. Wir hatten Hammer und Haken auch dabei, jedoch haben wir diese nicht benutzt. Am Ende der Schwierigkeiten steigt man dann über II-III Gelände hinauf zum Grat und über diesen auf den Gipfel der Speckkarspitze. 

Beide Routen sind nicht besonders schwierig und somit super Einstiegstouren für die alpinen Klassiker im Halleranger Gebiet. 

Fotos

Dienstag, 1. September 2020

Schweiz & Vorarlberg

Damit die Rosskuppenkante nicht die einzige Pause Tour für Dani bleibt, sind wir letzte Woche ins Rätikon gefahren, um dort auf die Sulzfluh zu klettern. Der Herbst schickte uns dabei bereits seine Boten voraus, denn beim morgendlichen Start, gab es bereits Rauhreif vor der Hütte. Dementsprechend frisch gestaltete sich der Anstieg durch die direkte Südwestwand (Austriakenriss VI+) . Mit recht klammen Fingern ging es zügig nach oben, dafür war die Tour auch in den Kaminen super trocken. Nach dem Abstieg sind wir noch am gleichen Tag zum wunderschön gelegenen Wägitaler See gefahren und haben dort im Auto übernachtet. Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir zuerst mit dem Bike hinauf zur Schwarz Egg Hütte und in Kürze weiter zum Einstieg des großen Bockmattli Turms. Dort stand für uns die direkte Nordwand (VII-) am Programm. An diesem Tag war es zwar nicht so kalt, dafür war der Wind ziemlich stark, also wieder erschwerte Verhältnisse ;-) Für Dani war es die bisher schwierigste Tour, trotzdem kamen wir wieder gut voran und standen nach 5,5h am Gipfel. Auch der Abstieg lag bald hinter uns und so sind wir noch weiter nach Feldkirch gefahren, wo wir übernachtet haben. Nach zwei Pause Touren haben wir am darauf folgenden Tag etwas ausgeschlafen und uns eine gemütlich Tour ausgesucht. Kurz vor Mittag sind wir mit dem Bike hinauf zur Ravensburger Hütte gefahren und von dort weiter zum Einstieg der Roggalkante (IV+). An diesem Tag war unsere Devise "light and fast" und das ging uns super auf, denn nach nicht einmal 2 Stunden standen wir bereits am Gipfel der Roggalspitze. Nach dem Abstieg haben wir uns noch in Zug einquartiert. Da aber am nächsten Tag die Kaltfront bereits im Anmarsch war, haben wir den Vormittag noch im Bereich des Formarinsees per Bike and Hike ausgenutzt. Im Anschluss konnten wir zufrieden mit unserer Ausbeute nach Hause fahren.  

Fotos

Samstag, 22. August 2020

Petit Dru Nordwand "ALLAIN-LEININGER"

Normalerweise hat die Dru Nordwand nur im Winter oder noch im Frühsommer gute Verhältnisse. Heuer jedoch ist das anders und das wollten Arthur und ich gleich ausnutzen. So sind wir am Mittwoch nach Chamonix gefahren und dort mit der Montenvers Bahn hinauf zu unserem Ausgangspunkt. Von dort marschierten wir in knapp 4 Stunden zu unserem Biwakplatz, der sich direkt unter der Nordwand befindet. Nach einem nächtlichen kurzen Schauer ging es dann beim Hellwerden für uns los. Zuerst quert man auf einer fragilen Schneebrücke auf den Gletscher und von dort über die Randkluft in den Fels. Den unteren Wandteil haben wir zügig hinter uns gebracht, auch der Mittelteil (neben dem Nischen-Gletscher) lag bald hinter uns. Die beiden Schlüsselseillängen (Lambertriss & Martinettriss) waren ebenfalls kein Problem für uns, jedoch gibt es im oberen Teil der Wand viele Möglichkeiten die Route zu klettern. Leider haben wir hier nicht immer die Ideallinie gefunden und einige Seillängen eingebaut, die schwieriger waren als die eigentlichen Schlüsselseillängen. So hat es sich dann doch noch ziemlich gezogen bis wir die Tour hinter uns gebracht haben. Das Abseilen mussten wir dann im Dunkeln hinter uns bringen, was sich aber gut bewerkstelligen lies. Das letzte Hindernis war noch der gefährliche Gletscherbruch, wo vor unseren Augen immer wieder Eistürme einstürzten. Wir konnten aber auch diese Hürde hinter uns bringen, um dann glücklich auf der Charpoua Hütte ein Bierchen zu zwitschern ;-) In weiteren 3,5h gelangten wir wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt, der Montenvers Bahn. Sind alles mit den Bergschuhen geklettert, was in den teilweise glatten Granitplatten nicht ganz ohne war. 

Hammer Westalpentour und wieder Traumtage im Mont Blanc Gebiet.


Fotos

Dienstag, 18. August 2020

Sonnjoch & Dammkarnadel

Das Wochenende versprach eine leichte Wetterbesserung und so stiegen Sonne und ich Samstag Früh vom Falzthurntal zur Sonnjoch Ostwand auf. Nach den vorhergegangenen Regentagen waren wir kaum überrascht, dass die plattige Wand in großen Teilen wasserüberlaufen war. Mit der „Concerto“ fanden wir dennoch eine überwiegend trockene Linie. In der zwingenden VIII- Stelle der rechten Einstiegsvariante konnten wir uns gleich auf die hervorragende Reibungskletterei einstellen, welche diese 1991 erschlossene Route ihren Wiederholern bietet. Diesem Genuss konnte auch die triefend nasse dritte Seillänge (VI+) keinen Abbruch tun, da der raue Kalk trotzdem guten Halt versprach. Leider beendeten Regenschauer früh nachmittags unsere Tour nach der 8. Seillänge (VII+). Beim Abseilen statteten wir einige der Standplätze mit neuen Schlingen aus. Nicht nur in der Schlüsselseillänge sind einzelne Schlaganker ohne Lasche und umgeschlagen, was aber verglichen mit den anderen obligatorischen Runouts den Anspruch nicht wirklich erhöht. Zu bemerken ist, dass alle Bohrhaken an (galvanischer) Korrosion leiden, da auf verzinkte Bolzen (M10) NIROSTA-Laschen aufgeschraubt wurden.
Am Sonntag radelten wir von Mittenwald die steile Zubringerstraße zur Materialseilbahn der Dammkarhütte hinauf. Von dort gings zu Fuß weiter, vorbei an der Hütte zum Wandfuß der Dammkarnadel mit ihrer eindrucksvollen ca. 300 m hohen Nord- bzw. Nordwestwand. Die Route „Reinkarnation“ wurde 2008 von L. Mayer und M. Richter mit Bohrhaken eingerichtet, stellt jedoch im oberen Wandteil nur eine Begradigung und Sanierung des von M. Öckler und E. Birkhold 1961 erstbegangenen Risssystems der „Direkten Nordwestwand“ dar. Ethische Gedanken ins Kar geworfen bietet diese Kombination eine herrlich luftige Kletterei über neun Seillängen mit recht anhaltender Schwierigkeit bis zum VII. Grad.









Freitag, 14. August 2020

Maningkogel - "Luftballonweg"

Bevor unbeständigeres Wetter die Tiroler Berge erreichte, starteten Sonne und ich am Mittwoch noch einmal zu einer hochalpinen Unternehmung. Von der Dammkrone des kleinen Kühtaispeichers stiegen wir durchs landschaftlich schöne Mittertal zur Nordwand des Maningkogel (2892 m) auf. Zentral durch die 300 m hohe Granitwand führt der von H. Gogl und P. Ohnmacht am 4. 9. 1986 erstbegangene „Luftballonweg“ (VII-). Über grobes Blockwerk - z. T. von einem jungen Felssturzereignis in der Gipfelregion, wie wir später feststellen sollten - geht es von einem idyllisch gelegenen kleinen See vorbei an Altschneezungen zum Wandfuß empor. Nach kurzem Wandvorbau erreicht man schließlich den Einstieg der Route rechts unterhalb einer markanten Felsschuppe (H.). Über einen etwas grasigen Riss (V, H.) erreicht man den Grund der Riesenverschneidung, welche recht anhaltend im oberen V. Grad emporleitet, ehe man am Beginn der fünften Seillänge eine große Platte erreicht. Diese wird am unteren Rand rechtshaltend gequert bis griffigerer Fels zum Stand unter der Schlüsselseillänge hochleitet. Über den dort ansetzenden abdrängenden Riss (Stelle VII-, mehrere H.) erreicht man in einer langen Seillänge flacheres Blockgelände. Obwohl wir vom Gipfel des Maningkogels bereits da und dort sich türmende Cumulonimbus bemerkten, entschieden wir uns für den Weiterweg auf den ebenso steil gebauten Acherkogel (3008 m) über dessen schönen NO-Grat (III+). Mit etwas Glück konnten wir auch den Abstieg vorbei am Signalgipfel (Kreuz), nordseitig hinab und schließlich über die Maningscharte zurück zu unserem Zustiegsweg trocken absolvieren.








Rosengarten

 Letzte Woche waren Dani und ich mehrere Tage im Fassatal unterwegs. Neben Bike and Hike waren wir einige Male im Rosengarten zum Klettern. Als erste Tour kletterten wir auf die Guglia di Refugio die mit NH bestens eingerichtete "Maestro-Führe" (VI-). Tolle Tour in super Fels. Als nächstes haben wir uns einen Klassiker von Wiesinger und Steger vorgenommen, und zwar auf die Punta Emma. Super Dolomitenkletterei mit sportlichen 5er Längen. Nach einer Nacht auf der Gartl Hütte haben wir am nächsten Tag die Vajolet Türme überschritten. Als erstes kletterten wir auf den Delago Turm die NW-Kante, schöne ausgesetzte Kletterei, leider ein wenig abgespeckt. Nach einer Abseilfahrt ging es weiter zum Stabeler Turm, welchen wir über die "Emmerich-Führe" (VI) erklommen haben. Hier muss man in der SSL schon anständig zupacken. Als letztes ging es noch zum Winkler Turm, welchen Georg Winkler bereits 1886 (mit 17 Jahre) solo mittels Ankerwurf erstiegen hat, eine wahre Heldentat :-) Ein schöner Abschluss der Überschreitung, denn immerhin erreicht die Tour den V Grat. Tolle Tage im Rosengarten!


Fotos

Donnerstag, 13. August 2020

Großer Solstein Nordwand, BUZZKILL

Unter http://www.allgaeu-plaisir.de/buzzkill-an-der-solstein-nordwand/ gibt es eine nette Story über die Bedeutung des Routennamens. Fürwahr, eine echte Tirolensie.

Ich denke ja eher, der Routenname leitet sich aus den ersten Klettermetern ab. Wenn es dich vor dem ersten Bolt BUZZt, dann sind im günstigsten Falle nur deine Fersenbeine geKILLt.

Arthur hat den kniffligen Einstieg gekonnt mit einer handvoll Friends entschärft. Und am Ende der ersten Seillänge war klar, hier und heute hängen die Trauben hoch.

Acht lange Seillängen führen auf den zentralen Pfeilerkopf der Solstein Nordwand. Die Kletterei ist immer wieder mit sehr athletischen Schlüsselstellen gewürzt. In den schwierigen Stellen stecken Bolts, dazwischen gibt es viel Freiraum.

Unsere Fazit: etwas gesucht, aber gut gefunden. Der achte UIAA Grad wird wohl eher nicht ganz auslangen.

Die Area am beeindruckenden Talschluss des Groß-Kristentales ist für gehfaule mit dem E Bike gut zu erreichen.






Montag, 10. August 2020

Laliderer Spitze - "Auckenthaler"







Nachdem ich mich tags zuvor bei einer Solo-Tour durch die Hochnissl Nordwand über die Kandler/Hoflehner (IV+, lohnend und fest im Mittelteil) ein wenig aufwärmen konnte, gings am Sonntag mit Tom wieder mal in die Laliderer Wände. Diesmal hatten wir uns die 1932 von M. Auckenthaler und H. Schmidhuber erstbegangene Nordwandroute (VI) an der Laliderer Spitze vorgenommen. Eine logische Linie von Verschneidungen in überwiegend festem Fels führt durch den unteren Wandteil, wobei recht viele alte Haken stecken. Nach der 8. Seillänge queren Bänder nach rechts an den Rand der Schlucht, welche die Nordwand der Laliderer Spitze knapp links der Gipfelfalllinie furcht. Dort beginnt der unübersichtliche obere Wandteil, durch den mehrere Varianten leiten, für die allesamt jedoch scheinbar kein detailliertes Topo existiert. Wir starteten vom Schluchtrand (H.) über links emporziehende Strukturen zu einem Standplatz an einem alten Haken-Stack. Von dort leitete uns der am besten kletterbare Weg und die gelegentlich vorgefundenen alten Haken empor, wobei wir auch zweimal für eine halbe Seillänge in die Schlucht gedrängt wurden, ehe wir diese unter Überhängen wieder nach links verließen. Die exponierte Routenführung im oberen Wandteil, welche bis zur letzten Seillänge immer wieder den unteren VI. Grad fordert, ist nicht nur für 1932 faszinierend. Allerdings kann man sich nur mehr stellenweise an festen Griffen und Tritten erfreuen, meist ist das Gestein brüchig und erfordert konzentriertes Klettern.  Von den im oberen Wandteil geschlagenen Haken beließen wir vier. Glücklich konnten wir uns nach knapp elf Stunden Kletterei am Gipfelgrat die Hände schütteln und uns auf einen abendlichen Abstieg durch die Spindlerschlucht freuen ;-)