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Montag, 11. Oktober 2021

Torsäule SO-Pfeiler (Rebitsch)

Dem Kirchdach vorgelagert thront die Torsäule mit ihrem 550 m hohen Südabbruch über dem Gschnitztal. Einheimischen zufolge verirrten sich in den letzten Jahrzehnten kaum noch Kletterer in diese mächtige Wandflucht. Neben dem recht beschwerlichen Zustieg mag dies daran liegen, dass Otti Wiedmann die Route über den SO-Pfeiler in seinem Kultführer „Auf steilen Wegen in Tirol“, als abwechslungsreich jedoch auch als sehr brüchig beschreibt. Andi Orgler beschreibt gleich alle Touren in der Wand als äußerst brüchig und sehr ernst.

Nachdem Matthi und Sonne bereits ein Monat zuvor eine der seltenen Wiederholungen der „Mariner/Vanicek-Führe“ für sich verbuchen konnten und durchaus positiv berichteten, wollte Sonne mit mir noch einmal zur Tat schreiten und dem bereits erwähnten SO-Pfeiler eine Begehung abringen.

Die Route wurde am 20. Juni 1937 von Hias Rebitsch und Erich Falschlunger erstbegangen, erlangte jedoch vorerst kaum Bekanntheit. Wohl aus diesem Grund erstiegen Klaus Brentel und Wolfi Linser 1969 den Berg über eine ganz ähnliche Linie, welche jedoch nur Varianten zur Rebitsch-Führe darstellt.

Von der Ortschaft Gschnitz führten uns Steigspuren meist linkerhand eines schottrigen Bachbettes vorerst durch einen Schlag, dann durch steilen Wald und Latschen, bis wir die grobe Halde unter der Wand erreichten. Gleich nach dem Einstieg über einen 20 m hohen schwarzen Felsriegel im IV. Grad, muss man sich zwischen der gelbbrüchigen Schuppe der Brentel/Linser-Variante und dem weiter rechts verlaufenden Originalweg entscheiden. Wir wählten das Farbenspiel zu unserer Linken, welches uns in etwa 40 m brüchiger Risskletterei im unteren VI. Grad (1 H.) zu einem Standplatz (keine SH.) am Beginn einer schwarzen kompakten Rissverschneidung führte. Diese leitet in schöner Kletterei (V) auf eine breite nach links aufsteilende Rampe. Über diese wird die Originallinie, welche 2001 einem Felssturz zum Opfer gefallen ist, umgangen (IV). Weiterhin recht brüchige Kletterei (IV) führte uns schließlich wieder rechtshaltend auf einen Pfeilerkopf, über welchem man ein begrüntes Band erreicht das die ganze Wand quer durchzieht. Das dort befindliche Wandbuch verriet, dass die Gschnitzer mit ihrer Auskunft wohl Recht hatten: Letzte Begehung 2009, vorletzte 1992… Nach 20 m Rechtsquerung geht es in vorerst schöner Kletterei einen Riss im schwarzen Fels etwa 25 m empor (V-). In der folgenden Seillänge (VI-, 3 H.) wechselt der Fels ein letztes Mal Farbe und Qualität. Darauf folgen drei Seillängen bis IV+, bis der Gipfelsteinmann erreicht wird. Von dort führte uns der Abstieg zuerst ein Stück Richtung Norden, dann nach Südwesten in eine Schlucht unterhalb der Kirchtürlspitze, über welche wir zurück zu unserem Rucksackplatzerl gelangten.

Ohne näher auf die erlesene Gesteinsqualität einzugehen, fanden wir den Anstieg eher inhomogen, was sicher durch die durch den Felssturz verlorenen Seillängen verstärkt wird.  Wenn auch vergleichbar bewertet, fand Sonne die Mariner/Vanicek-Führe schwieriger und anhaltender, sowie lohnender. Mal schauen, ob ich dieser auch mal einen Besuch abstatte ;-)






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